Tempelausweis
Nach der gestrigen Nacht verzögert sich die Abfahrt (Gott sei dank) wieder und so starten wir nach dem Frühstück um 8:30 Uhr zu den Tempelanlagen. Doch bevor wir in den Tempelbezirk einfahren dürfen, kommen wir an einen Checkpoint. Hier bekommt jeder Besucher gegen 20$ einen persönlichen Tempelausweis mit Foto. Dieser ist immer mitzuführen, da ansonsten der Zugang zu den Tempelanlagen verweigert wird!
Wir fahren nach dem kurzen Stop weiter Richtung Angkor. Angkor war vom 9. bis 15 Jahrhundert das historische Zentrum des Khmer Königreiches Kambuja. Auf einer Gesamtfläche von über 200 km2 wurden mehrere Hauptstädte errichtet, mit einem großen Haupttempel im jeweiligen Zentrum. So entstand u.a. auch der weltweit größten Tempelkomplex Angkor Wat. Da Häuser aus Stein religiösen Gebäuden vorbehalten waren und die weltlichen Menschen (auch die Könige) in Häusern aus Holz lebten, sind durch die Jahrhunderte tropisch-feuchten Klimas nur och die Tempelanlagen erhalten geblieben.
Nach dem kurzen Stop machen wir uns weiter auf zu Angkor Thom. Auf dem Weg dorthin kommen wir an Angkor Wat vorbei und Cham Nam erklärt uns, dass Touristen normalerweise erst nachmittags hierher kommen, da dann das Licht besser ist. Das ganze klingt so, als ob wir halt Pech hätten und daher weiterfahren. Enttäuscht denken wir „Thanks for sharing“ – gerne würden wir den Tempel sehen, trotz des falschen Licht. Aber unsere Chance soll noch kommen.
Schöne Gesichter
Wir erreichen Angkor Thom und die berühmten Gesichter des Süd-Tores blicken uns an. Die Brücke davor ist von den Götter- und Dämonenstatuen gesäumt – rechts die Dämonen, links die Götter, im Hintergrund das Tor. Der Anblick ist beeindruckend und die wilden Affen, welche darüber klettern verstärken diesen Eindruck.
Ein kurzes Stück dahinter (wir fahren leider mit dem Bus) erscheint dann der Haupttempel von Angkor Thom: Bayon. Verfallen ragt er vor uns auf, die Gesichter auf den Türmen lächeln uns entgegen. Diese sind den Himmelsrichtungen zugewandt.
Den Bau des Tempels beauftragte im 12 Jh. König Jayavarman VII. Dieser spiegelt den für die Khmer typischen Synkretismus (Vermischung Religiöser Ideen und Anschauungen) von Hinduismus und Buddhismus wieder. Seit dem die Khmer im 15. Jh. von den Thais besiegt wurden, war die Stadt verlassen und geriet in Vergessenheit. Die Natur tat Ihr übriges du so wurde auch Bayon vom tropischen Wald überwuchert. Ende des 19 Jh. Erwachte wieder das Interesse an der Anlage, doch unterbrochen durch diverse Kriege schritten die Restaurationen nur schleppend voran. Doch seit dem Ende der Roten Khmer Herrschaft in den 80er Jahren wurde Bayon weitgehend restauriert und zugänglich gemacht.
Die eigene Erkundung der Tempelanlage ist ein großer Spaß. Es gibt kaum vorgeschriebene Wege, man kann nahezu überall herum klettern, Stufen, Türme, Mauen, Fenstersimse erklimmen und die sich dahinter verborgenen, meist unbeleuchteten Räumlichkeiten erkunden. Eine Taschenlampe wäre hier von Vorteil, da das Tageslicht in viele Räume nicht vordringt. So steht man im Dunkeln, hört um sich das Gefiepe der Ratten (und riecht Sie auch) – aber Blitzlicht sei dank kann man sich kurz Orientieren und einen flüchtigen Blick erhaschen und z.B. plötzlich eine Buddha Statue vor sich erkennen.
Danach geht es weiter mit dem Bus zu der 5 min. entfernten Terrasse der Elefanten. Hier ist im Halbrelief u.a. eine große Elefantenjagd fast in Lebensgröße dargestellt. Doch auch Löwen, Gladiatoren, Artisten und Polospieler auf der 350 m langen Mauer zu sehen. Südlich der Terrasse befindet sich die Terrasse des Lepra-Königs
Am Ende der Terrasse befindet sich ein verwinkelter Gang. Hier sind die hohen Wände komplett mit kleinen Halbreliefs verziert. Vor den dargestellten Personen haben sich die einheimischen gefürchtet, sie sollten Unglück bringen – um dies abzuwenden haben Sie Ihnen die Nasen abgeschlagen.
Des Weiteren erhalten wir von Cham Nam die Info, das „die Thais alles kaputt gemacht haben“ (bei Ihren Plünderungen im 15. Jahrhundert) und die Franzosen (zu denen Kambodia ein besonderes, freundschaftliches Verhältnis hat) „alles gestohlen“ (Statuen, Reliefs, Gesichter usw.) haben.
Dann ist es endlich soweit – wir steigen in den Bus und es geht zu Ta Prohm, dem berühmten Dschungeltempel, welcher im natürlichen, bewachsenem und verwitterten Zustand belassen wurde.
Dort angekommen stellt DerSaimen leider fest, dass er seinen tempelausweis leider auf einer vorigen Station verloren haben muss. So bleibt er außen vor – doch nicht lange, denn Kristof nimmt den Ausweis von illuminato, geht damit wieder raus – und schleust DerSaimen mit dem Ausweis ein. Wir Europäer sehen aber anscheinend auch alle gleich aus…
Weiter geht es zum Tempel – ein kurzer Fußmarsch durch den Dschungel stimmt langsam auf das bevorstehende ein. Dichte Flora, ab und zu ein Stück Stein, Mauer o.ä. – und dann kommt die erste Tempelmauer, welche bereits von einer Würgefeige bewohnt und überwuchert wird. Es ist ein beeindruckendes Bild, wie sich die Wuzeln ins/übers Gemäuer krallen. Unweigerlich wird man an das Dschungel Buch erinnert (hierfür stand Ta Prohm als Vorlage) und so gehe ich, King Louis Lied auf den Lippen, auf Erkundungstour.
Der Tempel, welcher nicht zuletzt auch durch Lara Croft Tomb Raider Teil 1 bekannt ist, fasziniert durch seine Verfallenheit und den darüber wuchernden Dschungel. Er wurde in dem Zustand belassen, wie Ihn die Restauratoren vorgefunden haben. Nur ein paar Steine wurden beseitigt, um einen Zugang zu ermöglichen. Durch dieses Merkmal ist dieser Tempel ein besonders beliebtes Touristenziel.
Auch dieser Tempel wurde im Bayon Stil errichtet und so strahlen uns die bekannten – hier teilweise zerfallenen - Gesichter entgegen. Die Reliefs im Tempel zeigen vielfach hinduistische Motive wie Krishna oder Vishnu, obwohl der Tempel ein buddhistisches Kloster war.
Begeistert mache ich mich mit hupfi76 auf, um einsamere Teile des Tempels zu finden und zu erkunden. Wir werden schnell fündig und klettern durch Torbögen, Fenster; über Geröllhalden – und erreichen eine Gang, welcher zur Rückseite der Anlage führt. Hier ist eine fantastische Kulisse, aus Geröllhalden, alten Torbögen und Fenstersimsen, in Kombination mit den bekannten Würgefeigen und Sompong, welche alles überwuchern. Dies lädt uns zu einer spontanen Fotosession ein, welche dank Ihrer Kamera mit 3er Serienbild zu einem Daumenkinoshooting mutiert.
Dann geht es weiter, auf der Suche nach der Lara Croft Wurzel. Als Cineast muss man diese natürlich mitnehmen. Wir finden diese am Ende von Ta Prohm – leider sind dort bereits die gefühlten drei Busladungen japanischer Touristen, so dass ein Foto ohne diese unmöglich ist. Wir verweilen eine kurze Zeit und machen uns dann auf die Suche nach den anderen in Richtung Bus.
One Dollaaaaaaar
Am Ausgang der Tempelanlage kommt es dann wieder zu der Begegnung mit dem Kambodianischen Museums-Shop-Konzept in Form von bettelnden Kindern und Frauen. Diese fangen einen ab, sobald man den Fuß aus der Anlage setzt. Sofort stürzen sich die Kinder auf einen und jammern einem Beträge wie „One Dollaaaar, one dollaaaaar“ entgegen – wir bekommen auch „one million Dollar“ zu hören. Anders als in Thailand lassen sich die Kinder von einem „No“ nicht beeindrucken und verfolgen einen bis zum Bus. Und auch nach dem Einsteigen ist man noch nicht in Sicherheit – es geht mit window shopping weiter, denn die Horde verfolgt einem an den Busfenstern und bietet die Ware feil.
So leid einem das ganze tun kann, so nervig ist es auch. Zumal man die Situation für beide Seiten durch einen Kauf nicht besser macht. Die Kinder gehören in die Schule, werden von Ihren Eltern jedoch zum Touristenschreck angehalten. Durch einen Kauf unterstützt man das ganze leider, statt zu helfen. Langfristig kann nur Bildung hier helfen, um den Kindern und dem Land bessere Perspektiven zu bieten.
Diskussion:
Meinungen der trnd-Partner
13.02.08 - 21:50 Uhr
von: kalaydo
wo sind die Touris auf den Bildern(unten)
Warst du später noch mal da?
13.02.08 - 23:04 Uhr
von: FCUKBoy
Nein, vorher
Bin mit Hupfi wie beschrieben hinten rum und dann hatten wir Ruhe vor den Japanern ![]()
14.02.08 - 9:04 Uhr
von: scrampy
Mann ist das schööön… Warte jeden Tag auf “Neues von EUrer Klassenfahrt” ![]()
Ich glaub das hier nicht nur Lara gedreht wurde, kann mich gut an den Film “Zwei Brüder” erinnern, war das nicht auch der Hintergrund? Hab auf die Schnelle leider nichts wirklich hilfreiches gefunden, ausser daß die Drehorte Thailand und Kambodscha waren… http://us.imdb.com/media/rm1816567040/tt0338512
14.02.08 - 9:13 Uhr
von: scrampy
Ja! Hatte recht! Hab ichs doch gefunden. ( Wieso eigentlich nicht gleich!?
) Es sind DIE Tempel! So Bruderherz, werd Dir den Film demnächst mal ausleihen! ![]()
14.02.08 - 12:12 Uhr
von: FCUKBoy
Danke Schwesterlein, aber Tomb Raider langt mir ;D
14.02.08 - 12:24 Uhr
von: superjule
können wir bitte auch das kurze wirklich sehr aktionreiche Video aus den Tempelanlagen sehen? Ich glaube der Hauptdarsteller war keine anderer als der Crazy Monk alias Micky Ren… ![]()
14.02.08 - 20:59 Uhr
von: FCUKBoy
Das ist alles noch nicht soweit. Werde am Sonntag erstmal mit Simon die Rohdaten sichten
Das geht alleine noch nicht - ich brauche mentale Unterstützung durch Saimen und Margarita ![]()
15.02.08 - 20:31 Uhr
von: Montekete
@FCUKBoy Margarita hat es dir angetan *feix*
15.02.08 - 22:52 Uhr
von: FCUKBoy
@ Montekete: Da hat er schon vor Jahren… Aber es ist schön, das ich andere dafür begeistern konnte ![]()
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